Rödelheim, Arthur-Stern-Platz
Als dritte Station war der Pavillon der Demokratie am 19. und 20. September 2024 in Rödelheim auf dem Arthur-Stern-Platz zu Gast.
Seit seiner abgeschlossenen Umgestaltung 2019, ist der Arthur-Stern-Platz nicht nur Bahnhofsvorplatz und wichtiger Umsteigepunkt, sondern auch ein zentraler Treffpunkt – jeden Mittwoch findet hier der Wochenmarkt statt. Benannt ist er nach Arthur Stern, einem jüdischen Rödelheimer Bürger und Kaufmann, der von den Nationalsozialisten ins KZ Buchenwald verschleppt wurde. 1940 gelang ihm die Flucht in die USA. Mit seiner Biografie war der Platz ein besonders passender Ort für den Pavillon der Demokratie. Denn für den Erhalt der Demokratie sind der Einsatz gegen Faschismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus von entscheidender Bedeutung.
Eröffnet wurde der Pavillon der Demokratie durch die Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, der Staatsministerin Heike Hofmann und mir. Danach zeigte sich das vielfältige Programm, das in den Monaten zuvor entwickelt worden war. Besonders die Stadtteiliniative „Rödelheim – Stadt teil gegen Rassismus“ trat hervor: Sie präsentierte ihre „Brandmauer gegen Rechts“. Schüler:innen der Liebigschule setzten sich in einem Poetry Slam mit den Themen Antirassismus, Menschen würde und Frauenrechte auseinander – und mit der Frage, wie sich das Leben in einem autoritären Staat verändern würde. Danach folgte eine Diskussion runde mit den Omas gegen Rechts.
Auch Kinder und Jugendliche des Jugendzentrums „RaUM“ brachten sich ein: Sie trugen ihre Forderungen nach mehr Mitbestimmung und einer Instandsetzung ihrer Räumlichkeiten an den Ortsbeirat heran. Die auskömmliche Finanzierung der Offenen Kinder und Jugendarbeit beschäftigt uns schon seit vielen Jahren. Demokratie bedeutet, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und das Zusammenwirken von Politik und Zivil Gesellschaft zu fördern. Das zeigte sich in diesem Slot exemplarisch – gerade, weil die Interessen der jungen Generation, die noch nicht wählen kann, nicht übergangen werden dürfen.
Im Kunstworkshop zur Bahnhofsunterführung wurde zudem ein Projekt vorbereitet, was in den Herbstferien um gesetzt wird: Ein großes Graffiti zum Thema Demokratie. Schon an den Rampen an der Ost und Westseite des Bahnhofs haben ähnliche Gestaltungen gute Erfahrungen gebracht – ich bin gespannt auf das Ergebnis.
Die beiden Veranstaltungstage waren rundum gelungen und belebten den Platz:
Das Wetter spielte größtenteils mit, die Stimmung war gut, und viele interessierte Menschen kamen miteinander ins Gespräch. Besonders gefreut hat mich, dass die Inklusionsperspektive von der FBAG (Frankfurter Behinderten Arbeitsgemeinschaft) und dem Selbstvertreterrat der Lebenshilfe Hausen eingebracht wurde. Barrieren der Teilhabe für Menschen mit Behinderung werden im Alltag oft übersehen – umso wichtiger ist es, dass sie in solchen Formaten sichtbar gemacht werden. Der musikalische Ausklang am Abend führte die Stärkung des sozialen Zusammenhalts noch einmal vor Augen.
Unsere Gesellschaft braucht mehr Begegnungsorte. Haben wir den Mut, die eigene Blase zu verlassen!
Johannes Lauterwald
Impressionen
Unser Besuch in Rödelheim war geprägt durch viele engagierte Menschen im Stadtteil – und vielen, die hier nur auf der Durchreise zur Arbeit vorbeikamen.
Ideen für Rödelheim.
297 Ideen.
Top 5.
In unserem Stadtteil-Häuschen fragten wir: Was wünscht Du Dir für Dein Viertel? Einige Ideen wurden besonders oft genannt – wie diese hier. Ein Überblick.
Einen Raum für Begegnung in Rödelheim?
Wir sagen ja!
Das Internationale Familienzentrum bietet im Bahnweg 29 eine offene Begegnungsstätte – ohne Anmeldung. Hier treffen sich vielerlei Menschen zu Gesprächen, Freizeit und Beratung. Ein Ort für Teilhabe, Austausch und Integration – ganz nah im Viertel.
Ein Ort für Jugendliche in Rödelheim?
Wir sagen ja!
Der AWO Jugendladen bietet jungen Menschen zwischen 14 und 27 Jahren offene Treffpunkte, Beratung in Krisen und Hilfe bei Berufsfragen. Ob Jugendcafé oder Bewerbungstraining – hier gibt’s Unterstützung, Austausch und Freizeit mitten im Stadtteil.
Schulstraßen im Rödelheim?
Wir sagen: Wir sind dran!
In Frankfurt laufen zwei Pilotprojekte für verkehrsberuhigte Schulstraßen – in Sachsenhausen und Eckenheim. In Rödelheim ist noch keine Schule dabei. Das Modell soll weiter ausgerollt werden. Das würde die Sicherheit für Kinder deutlich erhöhen.
Mehr Sauberkeit in Rödelheim?
Wir sagen: Da geht noch mehr.
2019 sorgte die Initiative „Rödelheim Müllfrei“ mit über 80 Freiwilligen für spürbare Verbesserungen: Plogging-Aktionen, Müllmelder:innen, Beteiligung im Ortsbeirat. Doch wie es heute weitergeht, ist unklar. Die Stadt reinigt regelmäßig alle Straßen und Plätze. Ein dauerhaftes Bürger:innen-Engagement bleibt wünschenswert – und nötig.
Verkehrsberuhigung im Biedenkopfer Weg?
Wir sagen: Leider noch nicht umsetzbar!
Anwohner:innen forderten eine Spielstraße – seit Oktober 2024 gilt hier nun Schrittgeschwindigkeit: eine Art „Spielstraße light“. Das Anliegen wurde also teilweise erfüllt. Doch viele halten sich nicht an die neue Regelung – der Wunsch nach echter Verkehrsberuhigung bleibt bestehen. Die Stadt ist dran.
Vorstellung
Macher: innen
AWO Jugendladen Rödelheim
Saber Forozandeh
Der AWO Jugendladen Rödelheim beglei tet im Rahmen der Aufsuchenden Jugend arbeit junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren im Stadtteil. Sie besuchen die Adressat:innen in ihrer Lebenswelt und stellen jugendgerechte, niedrigschwellige und geschützte Hilfsangebote zur Ver fügung. Ansatzpunkte sind der Übergang von Schule zu Ausbildung und Beruf, Hilfen bei Konflikten in der Schule, im Privatbereich, Krisenintervention und bedarfsgerechte Vermittlung an speziali sierte Fachstellen.
Initiative Stadtteil ohne Rassismus
Angelika Seidler und Heiko Lüßmann
Die Initiative versteht sich als Aktionsplattform für Bürger:innen, Vereine und Institutionen, die sich im Stadtteil für ein solidarisches Zusammenleben ohne Rassismus, Ausgrenzung und rechtsextreme Hetze engagieren möchten.
Einmal im Monat finden Menschen zusammen, um Aktivitäten zu planen oder auszutauschen, die das Ziel haben, zivilgesellschaftlich die Demokratie zu stärken und ihre Stimme gegen ausgrenzende Tendenzen in der Gesellschaft und besonders im Stadtteil Rödelheim zu erheben.
Quartiersmanagement
Jenny Scherz
Das Quartiersmanagement Rödelheim-West
Das Nachbarschaftsbüro ist Teil des Frankfurter Programms Aktive Nachbarschaft in Trägerschaft der Diakonie Frankfurt und Offenbach. Es ist ein zentraler Treffpunkt für alle Bewohnen den. Sie ermutigen Menschen, ihren Stadtteil aktiv mitzugestalten und stärken das soziale Miteinander. Die offenen, kostenlosen und partizipativen Angebote fördern Gemeinschaft, Teilhabe und Demokratie. Während des DemokratiePavillons führte das Quartiersmanagement eine aktivierende Befra gung durch, deren Ergebnisse in einer Konferenz vorgestellt wurden.
Kitchen Sound
Amanda Fell
Kitchen Sound mit Amanda Fell (Gesang) und Andreas Ühlein (Gitarre) serviert mehr als Melodien: Ihre Songs schmecken wie ein FünfGängeMenü fürs Herz – von zart bis bittersüß. Für den Pavillon der Demokratie zeigte sich das Duo interaktiv und verband Musik mit offenen Fragen an das Publikum: zu Themen wie Hoffnung und Resilienz bis zu Freiheit und Partizipation. Ihr Auftritt lud dazu ein, sich lebendige Gedanken zum Thema Demokratie zu machen, denn in den Ge sprächen mit dem Publikum ging es um gelebte Vielfalt, ein solidarisches Miteinander und bunte Kultur.
Jasmin Khader / Liebigschule
Jasmin Khader ist Lehrerin an der Liebigschule und hat für den Pavillon mit ihrem Ethikkurs ein Videoprojekt zu den Themen Rassismus und Demokratie initiiert. In ihrem Unterricht sensibilisiert sie für soziale Ungerechtigkeiten, vermittelt Werte, die interkulturelle Kompetenz und kritisches Denken fördern und ermutigt ihre Schüler:innen für eine gerechte und offene Gesellschaft einzustehen. Dafür wurde sie auch mit dem Deutschen Lehr kräftepreis ausgezeichnet.