Nordend, Luisenplatz
Unsere erste Pavillon-Station sieht mit seinen bäumen und Bänken idyllisch aus. Doch der Luisenplatz war nicht immer so.
Wenige Tage nach dem feierlichen Beginn auf dem Paulsplatz am 5. und 6. September stand auf dem Luisenplatz der Pavillon der Demokratie. Ich hatte das Gefühl: Es gibt im Nordend kaum einen passenderen Platz für dieses Projekt.
Schon am Morgen konnte ich zusammen mit neugierigen Anwohner:innen beobachten, wie das Zelt aufgebaut wurde und sich wunderbar in den Platz einfügte.
Es war eine gemeinsame Veranstaltung für Bornheim/Ostend und das Nordend. Nur wenige hundert Meter entfernt beginnt dann auch am Sandweg das Ostend.
Vor Jahren wurde auf Initiative des Ortsbeirates der beinahe runde Platz mit Bäumen und hitzebeständigen Pflanzen bepflanzt, im Sommer kann man dort heute sogar Lavendelduft spüren. Und ganze 16 Jahre ist es schon her seit der damalige Verkehrsdezernent Lutz Sikorski zehn orangene Stühle auf dem Luisenplatz aufstellte – damals ein kontroverses Thema.
Heute treffen sich auf dem Luisenplatz den ganzen Tag über Menschen jedes Alters, Schüler:innen und Lehrkräfte aus der benachbarten Merianschule, junge Leute auf eine Pizza und abends viele mehr. Das war auch an den beiden Pavillon Abenden spürbar – wenig verwunderlich daher die Frage: Warum macht ihr schon um 19 Uhr Schluss? Schön, dass das Programm in anderen Stadtteilen nun abends ausgedehnt wird.
Doch das Zusammenleben an diesem Platz war nicht immer so harmonisch, wie es nun ist. Der Luisenplatz als geselliger Treffpunkt und mit ihm etliche Anwohner:innen litten, als bis vor drei Jahren Hunderte von Partygästen nach 22 Uhr vom Friedberger Platz zum Absacker an den Luisenplatz strömten. Es wurde irgendwann einfach zu viel, das Miteinander am Platz war dahin.
Dies ist nun anders, auch dank einer wirksamen Intervention der Frankfurter Ordnungsdezernentin. Der Platz hat wieder den Charme eines geselligen Treffpunktes im Stadtteil. Heute leider ohne das Café Lido, dass im vergangenen Jahr schließen musste.
Der Pavillon der Demokratie wurde begleitet und begrüßt von den Gästen und Betreiber:innen dieses Cafés. In eben diesem Café setzte man die auf dem Platz begonnene Debatte fort und blieb zum Politisieren und Plaudern. Auch die Gäste der Pizzeria und der Sushi Bar nahmen Anteil und diskutierten mit oder beobachteten einfach die Szenerie.
Im Grunde hat der Pavillon der Demokratie aktualisiert, was in den 70erJahren begann und typisch für das Nordend ist: Das Private ist auch politisch. Und umgekehrt gehört das politische Gespräch zum Privaten dazu.
Karin Guder
Über 80 Kooperationspartner:innen beteiligten sich an unserem Pavillon der Demokratie im Nordend.
Ideen fürs Nordend.
415 Ideen.
Top 5.
In unserem Stadtteil-Häuschen fragten wir: Was wünscht Du Dir für Dein Viertel? Einige Ideen wurden besonders oft genannt – wie diese hier. Ein Überblick.
Ein Schwimmbad fürs Nordend?
Wir sagen ja!
Das alte Panoramabad wurde zwar geschlossen, doch Ersatz ist da: Seit Mai 2025 bietet das neue Main-Bad Bornheim moderne Becken, Rutschen und Sauna. Nur wenige Minuten vom Nordend entfernt – für alle gut erreichbar.
Ein Superblock rund um die Berger Straße?
Wir sagen ja!
Weniger Autos, mehr Platz für Menschen, Bäume und Begegnung – das wünschen sich viele im Nordend. Die Stadt prüft derzeit das Konzept, Petition und Machbarkeitsprüfung laufen. Eine Verkehrsanalyse ist von 2025 an geplant. Ziel: mittelfristig mehr Lebensqualität im Quartier.
Mehr Grün im Nordend?
Wir sagen ja!
Der Günthersburgpark wird um 3,7 Hektar erweitert. Der alte Betriebshof weicht Wiesen, Bäumen, Spiel- und Erholungsflächen. Erste Bereiche sollen im Laufe des Jahres 2025 schon nutzbar sein – ein genauer Termin für die Fertigstellung steht noch aus. Ein Plus für Klima, Artenvielfalt und Lebensqualität im Viertel!
Das Lido-Café soll bleiben!
Wir sagen: Leider nicht umsetzbar.
Das beliebte Lido am Luisenplatz musste im Spätsommer 2024 schließen — der private Vermieter erhöhte die Miete. Trotz Bürgerinitiative und Unterstützung durch den Ortsbeirat war die Stadt machtlos. Das Lido wurde geschlossen. An gleicher Stelle hat eine neue Bar geöffnet.
Mehr sozialer Wohnraum im Nordend?
Wir sagen: Derzeit nicht umsetzbar.
Die Günthersburghöfe sollten rund 1500 neue Wohnungen bringen – viele davon gefördert und genossenschaftlich. 2020 wurde das Projekt nach Protesten und politischer Ablehnung gestoppt. Die Fläche liegt brach, doch die Koalition prüft seit 2024 einen neuen Kompromiss.
Macher:innen
Vorstellungen
DiKom e. V.
Rosina Walter
DiKOM – Dialog und Kommunikation e.V. setzt sich für eine wehrhafte Demokratie, gleichberechtigte Teil habe und Partizipation ein. Seine Mitglieder möchten mit Dialog und Kommunikation die Verständi gung und damit auch die Demokratie stärken. Sie setzen sich für eine respektvolle Streitkultur ein und organisieren Räume und Formate, in denen ein Austausch über Themen des Stadtteils und des Zusammen lebens stattfindet. Der Verein möchte eine Zukunft mitgestalten, die frei von Hass, Rassismus, Sexismus und Armut ist.
Jugendhaus Heideplatz
Alia Abbas
Das Jugendhaus Heideplatz ist eine Bildungs- und Begegnungsstätte für Jugendliche. Jugendliche können hier Beratung, Unterstützung bei den Hausaufgaben oder bei Bewerbungsschreiben erhalten. Außerdem finden Musik, Sport und Kunstangebote statt. Die Jugendlichen können sich partizipativ in das Jugendhaus einbringen, wie bei der Organisation von Musikfestivals oder Sportturnieren. Die gegensei tige Rücksichtnahme und Respekt bilden die Grundlage des Mitein anders.
Berami und Infrau
beramí berufliche Integration e.V., Silke Wegner
beramí (Foto u.) engagiert sich seit 1990 für die qualifikationsadäquate Integration von Menschen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt: durch berufliche Beratung, Qualifizierung, Angebote der Partizipation sowie Mentoring. Durch den Einsatz von KI in den Angeboten wird die Vermittlung digitaler Kompetenzen und Erfahrungen erweitert. beramí erarbeitet in Teams zu Positionen gegen Rassismus und Diskriminierung und stärkt damit die gesellschaftliche und politische Teilhabe für Menschen mit Migrationsgeschichte.
infrau e.V., Pantoula Vagelakou
infrau e.V. ist seit 1984 ein interkulturelles Beratungs- und Bildungszentrum für Frauen, Mädchen und Seniorinnen mit Migrations- und Fluchterfahrung. Alle Angebote im Frauenbereich werden durch integrierte Kinderbetreuung ergänzt. Alle Angebote im Mädchenbereich haben einen eigenständigen, feministischen Schwerpunkt. infrau e.V. stärkt Teilhabe und Selbstbestimmung durch Bildung, Beratung und Beteiligung.
Grow Together
Agnesa Kolica und Sara Meles Neguse
Grow Together bringt Zugewanderte und Einheimische für interkulturelle Tandem und Community Treffen zusammen. Durch die soziale Interaktion wird gegenseitiges Verständnis zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund gefördert. Die Organisation arbeitet damit für eine praktische Willkommenskultur und für ein echtes Miteinander in einer Gesellschaft, in der sich alle wohlfühlen.
Young Voice
Esad Sahin
Young Voice TGD e.V. ist ein bundesweiter, demokratischer und säkulärer Jugendverband von und für junge Menschen mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte. Als Jugendmigrantinnen-Selbstorganisation und Mitglied der Türkischen Gemeinde in Deutschland setzt sich der Verband für gleichberechtigte Teilhabe, Jugendbeteiligung und gegen jede Form von Diskriminierung ein. Mit kreativen Formaten, politischen Workshops und viel Engagement macht Young Voice Vielfalt hör- und sichtbar und stärkt junge Stimmen in unserer Gesellschaft.