Vor Ort
Der Linneplatz in Fechenheim ist einer jener Orte, an denen Geschichte, Alltag und Gegenwart aufeinandertreffen.
Benjamin Wiewiorra, stellvertretender Ortsvorsteher im Ortsbeirat 11 über den Linneplatz.
Fechenheim
Offiziell heißt er seit fast hundert Jahren Burglehenplatz – ein Verweis auf das alte Lehnsverhältnis Fechenheims
zur Stadt Frankfurt. Doch kaum jemand benutzt diesen Namen. Für die Fechenheimer bleibt er der Linneplatz,
und das ist mehr als ein Ausdruck von Traditionsbewusstsein: Es ist ein Stück Identität. Der Name selbst verweist
wohl auf die Zeit, als am Platz noch Leinweber tätig waren und das Handwerk den Ort prägte.
Fechenheim war lange ein Dorf am Main, mit eigener Geschichte, eigenen Strukturen und einer gewissen Sturheit im
Bewahren der Dinge. Erst 1928 wurde es nach Frankfurt eingemeindet, doch sein Kern blieb erkennbar. Rund um den Linneplatz standen einst bedeutende Hofreiten und Güter, die das Leben im Ortbestimmten. Hier sammelte sich das soziale und wirtschaftliche Geschehen, hier wurde verhandelt, gehandelt und gefeiert. Wer heute über den Platz geht, kann sich mit ein wenig Fantasie vorstellen, wie Bauernwagen über das Kopfsteinpflaster rumpelten und Handwerker ihre Waren feilboten.
Dass der Linneplatz über die Jahrzehnte seine Rolle als Herzstück nicht verloren hat, liegt auch an seiner Lage. Er ist
umgeben von Fachwerkhäusern, die wie Kulissen einer anderen Zeit wirken, und liegt doch nur wenige Schritte von Straßenbahn und Hanauer Landstraße entfernt. Wer von der Frankfurter Innenstadt hierherkommt, erlebt fast eine
Zeitverschiebung: plötzlich wird es stiller, dörflicher, beinahe kleinstädtisch.
Auch heute ist der Platz der Treffpunkt schlechthin. Hier finden Feste statt, bis vor wenigen Jahren etwa das Fischerfest, eine Tradition an die wir hoffentlich bald wieder anknüpfen können. In jüngerer Zeit wurde der Linneplatz sogar Bühne für demokratische Initiativen und Geschichtsausstellungen. Auch der Pavillon der Demokratie hat gezeigt, dass dies nicht nur Erinnerungsort, sondern auch ein Platz für die Gegenwart ist.
Immer wieder gibt es Bestrebungen, ihn zu verschönern und zu modernisieren, ohne seinen Charakter zu verlieren.
Dann sind da die kleinen Details, die den Linneplatz so unverwechselbar machen. Etwa die Hühner, die manchmal über das Pflaster huschen, als wären sie aus Versehen in die Stadt geraten. Wer sie zwischen Passanten, Ständen oder
spielenden Kindern entdeckt, kann kaum glauben, dass er noch in Frankfurt ist.
Doch gerade dieses Bild passt: Der Linneplatz ist ein Ort, an dem Stadt und Dorf ineinanderfließen, wo die Vergangenheit sichtbar bleibt und das Heute mit seinen Widersprüchen lebendig wird. So bleibt der Linneplatz das, was er immer war: das Herz von Fechenheim. Ein Platz, der Geschichten erzählt, der Feste trägt, der Nachbarschaft möglich macht. Der einzige wirkliche Platz des Stadtteils – und einer der wenigen in
Frankfurt, an dem man das Gefühl hat, kurz aus der Großstadt herauszutreten, ohne sie jemals zu verlassen.
Pavillon-Rückblick
Donnerstag, 21. August, morgens kurz vor zehn Uhr: Auf dem Linneplatz laufen gackernd Hühner umher, auch zwei friedliche Hunde sind zu sehen, ansonsten herrscht Ruhe. Doch das wird an dem idyllischen Ort in Fechenheim nicht so bleiben. Schon kurz danach tummeln sich dort etwa 200 Menschen. Irritiert verzieht sich das Federvieh in seinen Stall. Was die Hühner verpassen, ist die Eröffnung des Pavillons der Demokratie.
Bürgermeisterin und Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg heißt die Gäste der siebten Auflage der Pavillon-Tour willkommen. Gekommen sind Kita-Kinder des Kifaz Fechenheim, Schülerinnen und Schüler der Klasse 4e der Freiligrathschule sowie vom Abschlussjahrgang der Schule am Mainbogen, der Chor der „Omas gegen rechts“ und interessierte Anwohnerinnen und Anwohner. „Wir zeigen, dass Frankfurt anders ist, dass sich bei uns Hass und Hetze nicht durchsetzen“, sagt Eskandari-Grünberg.
Anschließend präsentieren die Schülerinnen und Schüler der Schule am Mainbogen, was sie sich unter Demokratie vorstellen: „Jung. Laut. Demokratisch.“ Im Unterricht haben sie sich mit dem Thema beschäftigt. Dass Demokratie auch bunt ist, beweisen die Freiligrathsachülerinnen und -schüler: Sie malen gemeinsam mit Jugendlichen der Praunheimer KunstWerkstatt ÖL-Kreide-Portraits. Am Nachmittag lädt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten zu einem Workshop zum Thema „Stadtteilkonfliktvermittlung“ ein.
Wie beim Pavillon der Demokratie üblich, machen Besucherinnen und Besucher parallel zum Programm Vorschläge zur Gestaltung ihres Stadtteils, erzählen im „Storytelling“-Pavillon ihre Geschichte oder kommen im Pavillon der Vielfalt ins Gespräch. Schon bald hängen in den Holzhütten gelbe Zettelchen mit Vorschlägen und Ideen.
Das vielseitige Programm geht am Freitag, 22. August, mit Diskussions- und Mitmachaktionen zum Thema Demokratie, Diversität, Rassismus und Erinnerungskultur weiter. Highlight ist das „Community Dinner“ am Abend, bei dem Menschen feiern und ins Gespräch kommen können. Für Getränke, Geschirr und Brot ist gesorgt, wer möchte kann selbst zubereitetes Essen mitbringen und mit anderen Gästen teilen.
„Es lohnt sich, für die Werte der Demokratie zu werben“, sagt Eskandari-Grünberg. „Mir geht es darum, die demokratische Partizipation zu stärken und zu zeigen, dass Demokratie etwas Lebendiges und Wertvolles ist und das sie in den Stadtteilen stattfindet.“
Donnerstag 31.10.2026
bis Freitag 1.11.2026
von 10 bis 18:30 Uhr
Ettinghausenplatz (Justinuskirchstraße/Höchster Markt)
31.10.
2026
10:00 Uhr
Eröffnung mit Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg und Ortsvorsteherin Susanne Serke
10:30 Uhr
„Gegenstrategien zu Demokratiegefährdung“ mit Schüler:innen der Helene-Lange- Schule und Omas gegen Rechts
00:30 Uhr
„Lernt uns kennen!“ – Vorstellung der kommunalen Antidiskriminierungsarbeit
01.11.
2026
10:00 Uhr
Eröffnung mit Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg und Ortsvorsteherin Susanne Serke
10:30 Uhr
„Gegenstrategien zu Demokratiegefährdung“ mit Schüler:innen der Helene-Lange- Schule und Omas gegen Rechts
00:30 Uhr
„Lernt uns kennen!“ – Vorstellung der kommunalen Antidiskriminierungsarbeit
Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Vereinen, Initiativen und engagierten Bürger:innen für ihre kreative Mitwirkung bei dem Programm.
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