Bockenheim, Carlo-Schmid-Platz
Der Carlo-Schmid-Platz in Bockenheim war eine logische Station für den Pavillon der Demokratie.
Selten habe ich einen Platz erlebt, der so stark von seiner Vergangenheit und gleichzeitig von einer dynamischen Zukunft geprägt ist. Mitten im Herzen des Viertels, umgeben von Wohnhäusern und dem historischen Bockenheimer Depot, trägt dieser Ort einen Namen, der wie kaum ein anderer für die deutsche Nachkriegsdemokratie steht: Carlo Schmid. Als einer der Väter des Grundgesetzes und überzeugter Europäer lieferte er nicht nur juristische Meisterleistungen, sondern inspirierte auch mit seinem berühmten Ausspruch:
„Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft.“
Am Tag, an dem der Pavillon auf dem Platz stand, konnte man dieses Erbe regelrecht spüren. Die Gespräche, die sich dort entspannten, drehten sich nicht nur um große politische Theorien, sondern ganz konkret um das gelebte Miteinander im Stadtteil. Die Verbindung zwischen dem Namensgeber und der Gegenwart war unverkennbar. Es wurde darüber diskutiert, wie Demokratie im Alltag funktioniert, wie man Meinungsverschiedenheiten aushandelt und wie der Zusammenhalt in einer sich stetig wandelnden Gesellschaft gestärkt werden kann.
Der Platz selbst hat sich in den vergangenen Jahren auch ganz spürbar gewandelt. In direkter Nachbarschaft entstanden neue Wohn und Geschäftsgebäude, im September 2025 zog die Schirn in die ehemalige DondorfDruckerei auf der anderen Seite des Häuserblocks – endlich ein Zeichen des so lange geplanten Kulturcampus, der den Wegzug großer Teile der Goethe Universität heilen sollte und bislang hinter seinen Möglichkeiten blieb. Auch das wurde kontrovers im Pavillon diskutiert – wie das eben in Bockenheim so ist. Das Depot, einst die Wagenhalle der Frankfurter Straßen bahn und heute eine der wichtigsten Spielstätten des Schauspiel Frankfurt, diente dabei als eine Art architektonischer Ankerpunkt. Es steht symbolisch für die Verbindung von industrieller Vergangenheit und kultureller Gegenwart, und es beweist, dass ein Ort immer wieder neu belebt werden kann.
Auch die Beschlüsse des Ortsbeirats spielten eine wichtige Rolle. Es wurde deutlich, dass die Anliegen der Bürge rinnen und Bürger auf lokaler Ebene oft am besten aufgehoben sind. Ob es um die Begrünung des Platzes, die Gestaltung von Radwegen oder die Frage nach mehr bezahlbarem Wohnraum geht – die Menschen nutzen die direkten Kanäle der Demokratie, um ihre Stimmen hörbar zu machen. Die Diskussionen waren geprägt von der Frage, wie man die Balance zwischen Wachstum und dem Erhalt des einzigartigen Bockenheimer Charmes finden kann.
Der Carlo-Schmid-Platz ist mehr als nur eine Verkehrsfläche. Er ist ein Ort der Begegnung, ein historisches Zeugnis und ein lebendiges Labor für die Zukunft des Viertels. Hier treffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf engstem Raum aufeinander, und hier wird das Vermächtnis von Carlo Schmid nicht nur geehrt, sondern Tag für Tag neu gedacht und gelebt.
Thomas Gutmann
Impressionen
Regnerisch war‘s in Bockenheim – was der Stimmung auf dem Carlo-Schmid-Platz gegenüber der Universität aber keinen Abbruch tat.
Ideen für Bockenheim.
181 Ideen.
Top 5.
In unserem Stadtteil-Häuschen fragten wir:
Was wünscht Du Dir für Dein Viertel?
Einige Ideen wurden besonders oft genannt – wie diese hier. Ein Überblick
Selbstverwaltetes Wohnen in Bockenheim?
Wir sagen ja!
Mitten auf dem alten Uni-Campus soll ein neues Zuhause für alle entstehen:
rund 150 Wohnungen, gemeinschaftlich verwaltet, durchmischt und bezahlbar. Die Initiative Zukunft Bockenheim macht sich dafür stark – die Planung läuft, das Konzept steht.
Raum für Generationen?
Wir sagen ja!
Am Weingarten 18–20 bietet der „Bockenheimer Treff“ des Frankfurter Verbands Sozialberatung, Bewegungs- und Digitalkurse sowie Ausflüge und Kulturangebote – etwa Mitsingabende mit dem Heinrich-Heine-Chor. Offen für alle Generationen, niedrigschwellig und mitten im Quartier.
Mehr Grün statt Asphalt?
Wir sagen ja!
Bockenheim wird grüner: Im Neuen Rebstockpark gibt’s weitläufige Wiesen, Spiel- und Erholungsflächen – mitten im Stadtteil. Zusätzlich hat „Green it up“ 2024/25 Parkplätze entsiegelt und bepflanzt: kleine Schatteninseln statt Asphalt. Das stärkt Mikroklima, Artenvielfalt und Aufenthaltsqualität im Quartier.
Schloßstraße – sicher für Radfahrende?
Wir sagen: Wir sind dran.
Tempo 30 und neue Markierungen wurden umgesetzt, 2024 folgten Sharrows, Zeichen dafür, dass sich Auto- und Radfahrer diese Straße ganz selbstverständlich teilen, und die Demarkierung des alten Schutzstreifens. Doch viele fühlen sich weiterhin unsicher – enge Überholmanöver und Dooring bleiben Problemzonen. Der Ortsbeirat fordert: mehr bauliche Maßnahmen.
Ein Stadtteil ohne Ausgrenzung?
Wir sagen: Wir sind dran!
Viele Initiativen setzen sich für demokratische Grundwerte und einen Stadtteil ohne Rassismus ein. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen auch in Bockenheim: Viele Menschen erfahren Diskriminierung und Ausgrenzung. Dafür, dass Diversität nicht nur ein Ideal bleibt, setzen sich bei der Stadt unter anderem die Stabsstelle Antidiskriminierung und das Amt für multikulturelle Angelegenheiten ein.
Vorstellung
Macher:innen
Bachtale Romnja
Beratung und Treffpunkt für Romnja*
Bachtale Romnja ist eine Beratungsstelle die sich an Romnja richtet. „Bachtale“ bedeutet auf Romanes sowohl „Willkommen“ als auch „Viel Glück“. Die Beraterinnen unterstützen die Frauen dabei ihr Leben nach ihren eigenen Vorstel lungen zu gestalten. Sie begleiten die Frauen* bei allen für sie relevanten Problemlagen und Herausforderungen. Außerdem ermöglicht die Beratungsstelle Raum für Begegnung und Aus tausch durch wöchentliche Treffen für Bildungs, Kulturprojekte und Freizeitaktivitäten.
Offenes Haus der Kulturen
Enida Delalic
Das Offene Haus der Kulturen ist ein Ort der Begegnung, der kulturellen Vielfalt und der kritischen Auseinandersetzung mit Gesellschaft. Ein Ort, an dem Menschen verschiedener Her kunft und Milieus zusammenkommen. Der Verein arbeitet daran, das Studierendenhaus in ein gemeinnütziges Kultur und Bildungszentrum zu transformieren und den alten Campus der Frankfurter Universität zu einem Experimentier ort für die ganze Stadtgesellschaft zu machen.
Mädchenbüro Milena
Maneesorn Koldehofe
Das MädchenbüroMilena e.V. in Frankfurt ist ein Ort der Begegnung, Unterstützung und Ermutigung für Frauen und Mädchen mit und ohne Fluchtgeschichte. Es bietet Bildungsangebote, Beratung und vielfältige Projekte, die Selbstbewusstsein stärken, Chancen eröffnen und Teilhabe fördern – für ein Leben in Sicherheit, Würde und Vielfalt.
Türkisches Volkshaus
Zeliha Dikmen
Das türkische Volkshaus Frankfurt e.V. 1965 ist einer der ältesten von Migrant:innen gegründete Vereine in Frankfurt. In Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt und den Gewerkschaften leistete der Verein viele Jahrzehnte Integrationsarbeit für Neuankommende aus der Türkei. Heute fin den in den Vereinsräumen verschiedene Aktivitäten wie gemeinsame Kochabende, Senior:innentreffs und Musikunterricht statt. Der Verein ist aktiv für ein gemeinsames gelingendes Mit einander in unserer Stadt.
Jugendbüro Lichtblick & Café Hayal
Heike Depner
Das Café Hayal ist ein Angebot des Jugendbüro Lichtblick und richtet sich an Mädchen* und junge Frauen*, die den Auswirkungen internationaler Krisen besonders stark ausgesetzt sind. Hierbei werden insbesondere intersektionale Diskriminierungserfahrungen berücksichtigt und ein Ort zur Förderung von Resilienz und Empowermentprozesse geschaffen. Die jungen Frauen können sich austauschen, Beratungsangebote in Anspruch nehmen und Begleitung in der Alltagsbewältigung erfahren.